Der Souffleur

Der Souffleur im Krippenspiel: Meinrad Nell
Die wich­tigs­te Rol­le im Krip­pen­spiel der evan­ge­li­schen Jugend hin­ter trans­pa­ren­tem Stoff.

Natür­lich war mir die Tätig­keit einer Souf­fleu­se oder eines Souf­fleurs genau­so klar, wie es für die meis­ten kul­tur­be­flis­se­nen Kon­su­men­ten klar war und ist: Eine Souf­fleu­se, ein Souf­fleur ist nichts ande­res als ein “Vor­sa­ger”. Wobei das Wis­sen um die Funk­ti­ons­be­zeich­nung der Vor­sa­ge­rin oder des Vor­sa­gers schon den Spre­chen­den als bil­dungs­be­wuss­ten Mit­bür­ger aus­ge­wie­sen hat. Damals wur­de die Gesell­schaft gene­rell in zwei Klas­sen geteilt: In die Kino­ge­her, das war die Mas­se der Exis­ten­zen, und in die­je­ni­gen, die für die Sub­ven­tio­nie­rung und Erhal­tung der Thea­ter waren, das war die Min­der­heit der Bevöl­ke­rung die sich als Éli­te fühl­te. Die Pola­ri­sie­rung hielt ein paar Jah­re lang an und danach ver­ebb­te die Wel­le der poli­ti­schen Instru­men­ta­li­sie­rung. Sie brach­te ja nie­man­dem wirk­lich etwas, Haupt­sa­che war: Es wur­de gere­det und dis­ku­tiert. Ich wur­de zur dama­li­gen Zeit sicher zu den Eli­ten gezählt, ver­brach­te ich doch einen gros­sen Teil mei­ner “Frei­zeit” auf den Gra­zer Steh­plät­zen. Die Éli­te der Éli­te setz­te sich gemüt­lich hin, die unters­te Schicht der Éli­te muss­te im Ste­hen “Kul­tur” genie­ßen. Dass man sich dafür auch inter­es­sie­ren konn­te, ver­stand man nicht so ganz.
In dem Krip­pen­spiel für die evan­ge­li­sche Jugend über­nahm damals mei­ne Per­son die­se, wie ich im Lau­fe der Auf­füh­rung erfah­ren muß­te, äußerst wich­ti­ge Funk­ti­on des Souf­fleurs. Ich stand hin­ter einem trans­pa­ren­ten Stück Stoff vor einer Rei­he von Stüh­len und las fast das gan­ze auf­zu­füh­ren­de Thea­ter­stück vor. Im Kos­tüm eines bra­ven, auf­merk­sa­men Hir­ten. Die­se unbe­deu­ten­de Neben­rol­le habe ich auch noch über­nom­men. Unser Publi­kum kam so in den Genuß einer bar­rie­re­frei­en Auf­füh­rung. Vor­ge­spielt und Vor­ge­le­sen. Lei­se war ich sicher­lich nicht gera­de und vor allem war ich auch nicht halb­wegs ide­al plat­ziert.

Schauplatz des Krippenspiels
Der “Thea­ter­saal” im Kin­der­gar­ten der evan­ge­li­schen Gemein­de.

Gun­di und Wolf­gang taten ihr Bes­tes in der Dar­stel­lung von Maria und Josef. Wolf­gang war beruf­lich im Augen­blick dabei Koch zu wer­den, ein damals nicht gera­de gut beleu­mun­de­ter Beruf. Sei­ne Pra­xis absol­vier­te er im Restau­rant des Gra­zer Haupt­bahn­hofs. Kei­ner von uns war dort jemals zu Gast. Das lag wahr­schein­lich an dem Ruf, den sol­che Loka­li­tä­ten damals hat­ten. Wolf­gang erzähl­te uns auch so man­ches Ereig­nis aus dem beruf­li­chen Näh­käst­chen. Ganz im Vetrau­en, klar. Und den­noch spra­chen sich sol­che Geschicht­chen rasend schnell her­um. Man­che auch umher. Gun­di bekam etwas spä­ter eine kom­plet­te Par­fü­me­rie ein­ge­rich­tet. Am Beginn der Gra­zer Münz­gra­ben­stras­se, gleich beim Diet­rich­stein­platz. Von ihrem Vater. Ein guter Start ins Berufs­le­ben. Natür­lich war ich dort eine Zeit lang Kun­de.

Werner und Heinz im Krippenspiel
Wer­ner und Heinz als Trun­ken­bol­de – im Krip­pen­spiel!

Wer­ner und Heinz hat­ten es – was die Auf­füh­rung betrifft – schon etwas leich­ter, da brauch­te ich nicht viel zu souf­flie­ren. Sie stell­ten zwei Trun­ken­bol­de dar. Wer­ner ent­schied sich spä­ter für die Kar­rie­re eines Anwal­tes und stu­dier­te Ius. Ich bekam schon eini­ges mit von die­sem Stu­di­um. Er wur­de auch ziem­lich bekannt damit – als Rechts­an­walt. So neben­bei war er auch spä­ter unter ande­rem Spre­cher des öster­rei­chi­schen Segel­ver­ban­des. Und kennt sich dem­zu­fol­ge gut aus zwi­schen den Inseln der nörd­li­chen kroa­ti­schen Adria. Heinz aller­dings hat sich, obwohl ich ihn in spä­te­ren Jah­ren mehr­mals getrof­fen habe, ganz aus mei­nem Gedächt­nis zurück­ge­zo­gen. Genau­so ist es mir mit Pau­li ergan­gen, von ihm weiß ich ledig­lich, dass er mit dem Fami­li­en­na­men Bay­er hieß, dass er nur “Pau­li” geru­fen wur­de und zu Beginn sei­ner Kar­rie­re Öffent­lich­keits­ar­beit geleis­tet hat­te, und zwar für das Bad Rad­kers­bur­ger Mine­ral­was­ser. Zu jener Zeit als Yugo­sla­wi­en zu zer­fal­len begann und die loka­len Krie­ge ihren Anfang nah­men und unser Bun­des­heer mit dem Schut­ze unse­rer Gren­zen beauf­tragt war und Oberst Anton Oth­mar Soll­fel­ner auf die Idee kam auch mich da irgend­wie mit ein­zu­be­zie­hen, muss­te ich des Öfte­ren an “Pau­li” von damals den­ken.

Die Original-Unterschriften dieses einmaligen Spiels.
Die Ori­gi­nal-Unter­schrif­ten die­ses ein­ma­li­gen Spiels.

In die­se Epo­che fal­len auch die Ereig­nis­se aus dem Band “Zyn­chro­ni­sa­ti­on 1”. Da hab ich ganz und gar ahnungs­los geschrie­ben von einer Rui­ne in der Nach­bar­schaft des “Lip­pen­jakl”. Wo wir alle aus unse­rem “Kreis” wun­der­schö­ne Stun­den und Tage ver­lebt und erin­ne­rungs­wer­te Erfah­run­gen gemacht und ein­an­der auch von sol­chen erzählt und dar­über gespro­chen hat­ten. Erst jetzt – wäh­rend der Ent­ste­hung des zwei­ten Ban­des – habe ich genaue Beschrei­bun­gen die­ser Stät­te im Web ent­deckt. Sie ist das letz­te Über­bleib­sel von Alt-Leon­roth. Davon hat uns nie­mand infor­miert. Weder irgend­je­mand aus der loka­len Umge­bung noch irgend­je­mand aus der Ket­te der Eigen­tü­mer. Für uns als Opfer der tra­di­tio­nel­len Geschich­te waren die Mau­er­res­te Rui­nen, deren Schick­sal es zu sein hat­te, wei­ter zu ver­kom­men, die Ver­bin­dung nach Kärn­ten hin­über zu ver­schwei­gen oder zu ver­schwei­gen, dass hier Men­schen ein Bau­werk errich­tet hat­ten zur Sicher­heit. Die gan­ze Geschich­te wird nicht nur an Ort und Stel­le von den Mau­er- und Bau­res­ten und wild umher­lie­gen­den Stei­nen erzählt, son­dern fürs Ers­te ein­mal in tra­di­tio­nel­len Wör­tern. Eine Syn­chro­ni­sie­rung steht auch hier noch aus und an. Mög­li­cher­wei­se haben die­se Zei­len für ein Auf­wa­chen gesorgt.

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