Die blutigen Fünf!

Ich war ja ein ech­ter “Som­mer­frisch­ler”, zwar mit Stamm­gast- oder dau­er­gast­li­chen Rech­ten ver­se­hen, aber doch. Inte­griert war ich jeden­falls. Als gebür­ti­ger Mit­tern­dörf­ler sowie­so. Es gab auch Gegen­den, die mir inner­halb des Dor­fes beson­ders zusag­ten. Etwa die Gas­se hin­un­ter zum Wil­fried. Das war ein Gleich­alt­ri­ger, den ich nur kurz und nur sehr ober­fläch­lich ken­nen­ge­lernt hat­te. Sei­ne Eltern wohn­ten in einem Haus am dama­li­gen Orts­rand Mit­tern­dorfs. Es war ein sehr schö­nes Haus. Beson­ders ein­ge­prägt hat sich mir der vor dem Haus befind­li­che Brun­nen, ein Stein­trog durch den Som­mer wie Win­ter unun­ter­bro­chen das Was­ser lief. Wel­ches ganz beson­ders gut war, so schien es.
In unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft befand sich die damals schon exis­tie­ren­de Pen­si­on Kog­ler mit “Ten­nis­plät­zen” und “im Grü­nen gele­gen”. Eini­ge Jah­re spä­ter wur­de die namen­lo­se Gas­se nach die­ser Pen­si­on, nach die­sem zum Hotel gereif­ten Urlaubs­do­mi­zil benannt. Das typi­sche “Ping-Pong” war zur dama­li­gen Zeit für die­se Gegend cha­rak­te­ris­tisch. Ten­nis war nach den gro­ßen Welt­krie­gen nur etwas für die “High Socie­ty”, war doch nichts für uns, war so weit weg, dass man sich über­haupt nichts über­leg­te dazu und dar­über. Für uns als klei­ne Buben damals war nur der Satz wich­tig: “Oba nua bis tsum Wüfrid obi!”. Das bedeu­te­te, dass die gan­ze Gas­se mit allem Drum und Dran zu unse­rer Ver­fü­gung stand, die gan­ze Gas­se “bis zum Wil­fried” hin­un­ter. Natür­lich ohne “Kog­ler”. Wil­fried war der Sohn eines Gen­dar­me­rie-Beam­ten in der Ort­schaft und für den Rest der Gemein­schaft so ziem­lich “untouch­a­ble”. In mei­ner Mit­tel­schul­zeit muss­te ich erfah­ren, dass er der berühmt-berüch­tig­te Lea­der einer loka­len Gang gewor­den war, die man nur als “Die blu­ti­gen Fünf” ken­nen gelernt hat­te. Wie er mit dem Fami­li­en­na­men hieß, dar­an kann ich mich nicht mehr rich­tig erin­nern, “Rot­lau­er” oder so ähn­lich.
Die Gen­dar­me­rie ging dann spä­ter in der Poli­zei auf. Sie war damals noch für das Land zustän­dig und die Poli­zei war nur was für die Städ­ter, spä­ter wur­de da kein Unter­schied gemacht, es war ein­deu­tig bil­li­ger zu ver­ein­heit­li­chen, nicht nur was die Uni­for­men betrof­fen hat. Viel wich­ti­ger war es Datei­en gemein­sam zu füh­ren, gemein­sam zu fahn­den, gemein­sam gegen das orga­ni­sier­te Ver­bre­chen vor­zu­ge­hen, im Rah­men der EU spä­ter kla­rer­wei­se klar und zwin­gend ver­ständ­lich. Jeden­falls war die­se Gas­se unser “play­ground”, mit Begeis­te­rung spiel­ten wir “Räu­ber und Schan­di”, sprich in halb­wegs gutem Deutsch: “.…und Gen­darm”. Wir bezo­gen wirk­lich alles mit ein, was da her­um­stand – bis auf die rei­nen und weni­ger rei­nen Wohn­stu­ben, wel­che im Salz­kam­mer­gut sehr, sehr sel­ten waren. Da gab es etwa links von der Gas­se einen Arbeits­schup­pen. Das Erd­ge­schoss war der Arbeits­raum mit allen gebräuch­li­chen Werk­zeu­gen, auch mit Sap­p­ls, Äxten, Häm­mern, Sägen und Schleif­ge­rä­ten etc. befüllt, das Dach­ge­schoss dien­te als Abla­ge für Werk­zeug und Din­ge, die man weni­ger oft gebrauch­te und dien­te vor allem als Ver­steck für mich. Da im Erd­ge­schoss der “alte” Bau­er sehr oft her­um und sicher auch umher werk­te, getrau­te sich nie­mand ande­rer nach­zu­se­hen, ob das Dach­ge­schoss nicht doch jeman­den von uns als Ver­steck dien­te. Ich wur­de hier oben nie gefun­den, auch nicht vom Bau­ern, was natür­lich mit viel Zeit ver­bun­den und mit der Zeit lang­wei­lig wur­de. “Räu­ber und Schan­di” war damit zu Ende und für mich war der Lern­pro­zess, dass man auf die­se Art und Wei­se auch sein eige­nes Grab gra­ben konn­te, für mein wei­te­res Leben abgeschlossen.

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