Der Magdalensberg samt Troadkasten ruft…

Die Story vom “Troadkasten”

Vor 25 Jah­ren saß ich eines Abends am Mac und schau­te vor Lan­ge­wei­le durch eine Biblio­thek vol­ler Screen­Saver. Damals benö­tig­te man so etwas noch, da waren ech­te Katho­den­strahl­röh­ren in den Moni­to­ren ver­baut. In die­ser Biblio­thek stieß ich auf ein fas­zi­nie­ren­des Bild, wel­ches mich gefan­gen nahm: im Hin­ter­grund waren ganz ein­deu­tig die Kärnt­ner Kara­wan­ken zu erken­nen, im Vor­der­grund stand ein roman­ti­sches altes Kärnt­ner Bau­ern­häus­chen auf einem Hang eines höhe­ren Ber­ges. Ganz offen­sicht­lich han­del­te es sich um eine Pho­to­shop-Bear­bei­tung, eine Mon­ta­ge, denn in Wirk­lich­keit durf­te es so etwas ja nicht geben, noch dazu mit rot­blü­hen­den Pelar­go­ni­en vor den Fens­tern, wun­der­schön und kit­schig. Viel zu kit­schig. Den­noch wur­den Erin­ne­run­gen an mei­ne Kärnt­ner Lehr­jah­re wach und nach­dem auch mei­ne Gat­tin die­ses Bild schön und trotz allem anspre­chend fand, habe ich es sofort instal­liert. Über 10 Jah­re lang zier­te es den Mac mei­ner Gat­tin. Als uner­füll­ba­rer Wunsch­traum hat­te es sich in uns ein­ge­brannt. So wie es vie­le Wer­be­su­jets ver­su­chen. Irgend­wann ein­mal ging die­ses Bild ver­lo­ren, wir hat­ten ja bei­de Sys­te­me, PC und Mac, immer schon. Bei irgend­ei­nem Umstieg geschah es, irgend­wie und irgend­wann. Es blieb nur mehr die Erin­ne­rung.
Im Jah­re 2018 fuh­ren wir ahnungs­los durch das win­ter­li­che Zoll­feld am Mag­da­lens­berg vor­bei und nach­dem Nico­le den Berg mit sei­nen Aus­gra­bun­gen nur vom Hören­sa­gen kann­te und wir nicht unter Zeit­druck stan­den, fuh­ren wir dort hin­auf. Es gibt da ein Wirts­haus namens “Gip­fel­haus” und das kann­te ich. Das muß­te man Ende der 1960er Jah­re ken­nen, vor allem als ORF-Mit­ar­bei­ter! Wir blie­ben dies­mal kurz bei den Aus­gra­bun­gen ste­hen ohne den war­men Innen­raum des PKW zu ver­las­sen, ich ver­lor ein paar wich­ti­ge Wör­ter über die Aus­gra­bun­gen und wir fuh­ren gleich wei­ter, berg­auf. Im Schnee­ge­stö­ber wech­sel­ten wir die Innen­räu­me. PKW gegen Gast­stu­be. Nicht ohne von der Haus­kat­ze ange­bet­telt zu wer­den, sie doch auch mit hin­ein zu neh­men, in die war­me Stu­be! Wir order­ten Kärnt­ner Spe­zia­li­tä­ten, ein “Mai­scherl” (Laib­chen aus faschier­tem Fleisch, mit einem Schweins­netz umhüllt) und “Nudel-KuddelMuddel”(Kärntner Käsen­udeln mit diver­sen Fül­len, ein ech­tes Tohu­wa­bo­hu, ein ech­tes Kud­del­Mud­del also). Nach dem Essen und da das Schnee­trei­ben nach­ge­las­sen hat­te und ein bischen etwas von der Umge­bung zu sehen war, ver­tra­ten wir uns ein wenig die Bei­ne. Woll­ten wir uns die Bei­ne ver­tre­ten, denn da stand vor uns, gleich neben dem Gip­fel­haus, leib­haf­tig unser Screen­Saver von damals! Ganz in Echt. Wie von Don­ner und Blitz berührt stan­den wir da, fas­sungs- und atem­los. Da war das klei­ne Kärnt­ner Bau­ern­häus­chen mit den Kara­wan­ken als Pan­ora­ma-Blick. Das Häus­chen stand tat­säch­lich da in sei­ner gan­zen Leib­haf­tig­keit! Mit­ten im Win­ter!

Der “Troadkasten”

Der "Troadkasten" am Magdalensberg in Kärnten. Aufgenommen mit dem iPhone, unbearbeitet. - Bild: Nicole Nell
Der “Troad­kas­ten” am Mag­da­lens­berg – wie er leibt und lebt. Kei­ner­lei Bear­bei­tung in Pho­to­shop! Die Hir­schen unterm Regen­bo­gen, die Berg­hän­ge im Son­nen­licht, das Holz vor der Hüt­te…
Das Rotwild-Gehege am Magdalensberg in Kärnten.
Das benach­bar­te Hirsch­ge­he­ge. Der Herr über Kühe und Käl­ber schickt sei­ne Her­de schon am frü­hen Mor­gen zur Begrü­ßung vor und folgt gemäch­li­chen Schrit­tes nach – wenn es ein Früh­stück über­haupt gibt.
Kärnten, Karawanken, Blick gegen Friaul
Ein Teil des Pan­ora­mas. Links unten ein klei­ner Teil des Aus­gra­bungs­ge­län­des, in Bild­mit­te rechts die Stadt Kla­gen­furt, dahin­ter die Kara­wan­ken mit Slo­we­ni­en.
Klagenfurt, Karawanken, Kärnten, Österreich
Kla­gen­furt im iPho­ne-Zoom. Das Drau­tal hin­ter Kla­gen­furt läßt sich noch erah­nen.
Panorama vom Magdalensberg in Kärnten, Troadkasten
Geht man in Rich­tung Gip­fel­haus sieht man bis St.Veit an der Glan. Zu Füßen des Mag­da­lens­ber­ges liegt halb Kärn­ten: Die Kor­al­pe, die Sau­al­pe, die Kara­wan­ken, der Wör­ther­see, der Pyra­mi­den­ko­gel, der Dobratsch, die Ger­lit­ze und in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft die Mär­chen-Burg Hoch­os­ter­witz. Der Mag­da­lens­berg liegt etwa 1.100 Meter über dem Mee­res­spie­gel.
Ein Blick in den Nord-Westen Kärntens vom Troadkasten am Magdalensberg in Kärnten.
Ein Blick in den Nord-Wes­ten Kärn­tens. Das “Wol­ken-Naschen” mit einer Cess­na 125 war damals Volks­sport unter den ORF-Mit­ar­bei­tern. Mich hat “Schor­schi”, einer der dama­li­gen ORF-Spit­zen-Ton­meis­ter, Ing. Georg Regatsch­nig, als Co-Pilot ein­ge­schult. Er war auch begeis­ter­ter Kunst­flug-Schü­ler. Sie­he das selbst-stän­di­ge Kapi­tel “Kärnt­ner Schorsch”.
Der Troadkasten am Magdalensberg
Ver­deckt vom “Troad­kas­ten” der Aus­lauf der Kor­al­pe, die Soboth. Da wan­dert das Auge dann in das befreun­de­te Nach­bar­land Slo­we­ni­en hin­ein.
In der Bildmitte der Pyramidenkogel, Wahrzeichen des Gebietes um den Wörthersee.
Das Zoom des iPho­ne machts mög­lich: Klar erkenn­bar der zur Errich­tungs­zeit umstrit­te­ne Turm am Pyra­mi­den­ko­gel. Heu­te schon ein Wahr­zei­chen des Wör­ther­see­ge­bie­tes. Man erkennt die­sen ers­ten Turm in rei­ner Holz-Archi­tek­tur schon mit frei­em Auge, wenn auch nicht so deut­lich.
Das ist der Troadkasten am Magdalensberg.
So ähn­lich hat sich der “Troad­kas­ten” in unse­re Gehir­ne ein­ge­brannt. So steht er vor dem Besu­cher, vor dem zukünf­ti­gen Gast. Wir haben die­ses Holz­häus­chen sofort gebucht, im Win­ter, im Schnee­trei­ben, ohne lan­ge zu über­le­gen, ohne zu wis­sen, was sich in sei­nem Inne­ren ver­birgt, ohne zu wis­sen, wel­che kuli­na­ri­schen Köst­lich­kei­ten mit die­sem Häus­chen ver­bun­den sind…
Der Troadkasten mit Regenbogen
… und dann kam eines Spät-Nach­mit­tags noch der Regen­bo­gen hin­zu. Es war ein drei­fa­cher, zwei waren etas schwach zu sehen, aber sie waren da!
… für Gäs­te die sich getrau­en in drei stei­len Eta­gen die Wun­der des Mag­da­lens­ber­ges mit­samt den Aus­gra­bun­gen zu ent­de­cken! Den Phy­sio-The­ra­peu­ten kann man dabei getrost zu Hau­se las­sen! Der “Troad­kas­ten” zwingt den Gast schon zur Beweg­lich­keit. Er wird es Ihnen dan­ken… Aus­ser­dem sorgt die­ses Schild auf dem Zugangs­weg des Troad­kas­tens für die nöti­ge Sicher­heit.
Die­ser ana­lo­ge Schlüs­sel ist der Ersatz elek­tro­ni­scher Kar­ten, Fin­ger-Abdrü­cke und Gesichts­er­ken­nungs­sys­te­me. Er läßt sich auch nicht so leicht ver­lie­ren. Damit weiß man sehr genau, wo es lang geht…
Der Troadkasten am Magdalensberg
Hier läßt sich das Früh­stück tat­säch­lich unbe­ob­ach­tet in frei­er Natur genies­sen. Auch Essen läßt es sich hier schlecht­hin, oder den Gedan­ken nach­hän­gen, phi­lo­so­phie­ren oder den Sied­lern am Mag­da­lens­berg vor tau­sen­den von Jah­ren nach­füh­len.
Der Zugang zum Troadkasten am Magdalensberg
Die Geschich­te die­ses Häus­chens – eines ech­ten Getrei­de-Auf­be­wah­rungs­kas­tens – ist kurz und ein­fach: In Ober­kärn­ten abge­baut, hier wie­der auf­ge­baut, mit Fens­tern und einem soli­den Fit­ness-Kel­ler ver­se­hen. Die Ingre­di­en­zen eines Mär­chens, wel­ches Wahr­heit wird.
Der Troadkasten am Magdalensberg inklusive Hausgarten
Gleich dane­ben das Geheim­nis der Bäue­rin­nen. Da hat­ten Män­ner nichts zu suchen. Zugang ver­bo­ten. Es sei denn, es war an der Umzäu­nung etwas zu ver­bes­sern, oder am Was­ser­schlauch. Ich hab es noch erlebt: Auch als Bub hat­te man hier nichts zu suchen.
Bereit zu einem Rund­gang durch den “Troad­kas­ten”? Tre­ten Sie ein, die Tür steht offen! Will­kom­men!
Das Erd­ge­schoß ist dem Woh­nen vor­be­hal­ten, für das Früh­stück, dem Imbiß. Auf der rech­ten Sei­te, …
… links befin­det sich die Kuschel-Ecke, zum gemein­sa­men Fern- oder ähn­li­chem-Sehen.
In die­sem Schrank ver­birgt sich das Fern­seh­ge­rät. Auf dem Schrank links oben ste­hen die hei­mi­schen Schnaps­fläsch­chen, wel­che uns als Gast­ge­schenk von Ingrid Wolf mit­ge­bracht wur­den. Ingrid heißt mit ihrem Mäd­chen­na­men Kapla­ner. Sie war die Sekre­tä­rin von Sepp Pra­ger, dem legen­dä­ren Unter­hal­tungs­chef des ORF-Lan­des­stu­di­os Kärn­ten.
Am Fern­seh­schrank teilt sich der “Troad­kas­ten”: Hin­auf geht es in den Schlaf­be­reich, hin­un­ter zur per­sön­li­chen oder gemein­sa­men Pfle­ge und der Fit­ness. Unüber­seh­bar hell ange­strahlt die Tür zur Toi­let­te.
Am Fern­seh­schrank und an die­sem klei­nen Fens­ter­chen – hei­misch “Guckerl” – vor­bei, geht es auf zur ers­ten Phy­sio­the­ra­pie-Pro­be…
… wel­che man über­stan­den hat, wenn vor den Gäs­ten das Spinn­rad mit dem phan­ta­sie­voll ange­brach­ten Spie­gel auf­taucht. Phan­ta­sie­voll des­we­gen, weil man sich ja…
… im Bereich des genuß­vol­len Schla­fens befin­det. Auf den bei­den “Nacht­käst­chen” biblio­phi­le anre­gen­de Abend- oder Nacht-Lek­tü­re!
Auf tau­send Metern Höhe kann es schon gesche­hen, dass über den Schlaf­zim­mer-Bal­kon die Wol­ken her­ein­zie­hen. Man fühlt sich sodann wie im sie­ben­ten Him­mel! So soll­te es wohl sein. Zumin­dest solan­ge man sich im “Troad­kas­ten” auf dem Mag­da­lens­berg in Kärn­ten auf­hält.
Natür­lich darf die Toi­let­te nicht feh­len. Dies­mal im Sti­le eines ori­gi­nä­ren “Plumpsklo´s”!
Jetzt sind wir im heim­li­chen Kern­be­reich des “Troad­kas­tens” ange­langt: Im “Pflege“bereich. Links die “Whirl”-Wanne mit allem “Drum-und- Dran”! Im Spie­gel gera­de noch zu erken­nen ist ein Teil des Casa­da-Mas­sa­ge­stuhls!
… hier die Dusche, groß genug. Links die Tür zur Sau­na…
Kör­per­chen was willst Du mehr?
Nur ein Bild fehlt: Das Bild des Über-Drü­ber-Mas­sa­ge-Stuhls, ob Thai‑, Japan‑, Bali- oder indo­ne­si­sche Mas­sa­ge, ob im flach­ge­leg­ten Zustand oder im Halb-Sit­zen, die­se 10min-Mas­sa­ge täg­lich hilft dem Papa… Ver­zei­hung… bringt uns auf Vor­der­frau!
Und sebst­ver­ständ­lich gibt es hier noch jede Men­ge Tee oder Kaf­fee obwohl im Gip­fel­haus ein tat­säch­lich aus­gie­bi­ges Früh­stück auf die Gäs­te war­tet. Der Licht­ef­fekt an der Wand rechts hin­ten sorgt für die rich­ti­ge Ent­span­nung wenn man gera­de in der Whirl-Wan­ne lie­gen soll­te.
Dieses wunderschöne Land Kärnten begrüßt die Gäste des "Troadkastens" jeden Morgen auf dem Weg zum Frühstück im Gipfelhaus auf dem Magdalensberg.
Die­ses wun­der­schö­ne Land Kärn­ten begrüßt die Gäs­te des “Troad­kas­tens” jeden Mor­gen auf dem Weg zum Früh­stück im Gip­fel­haus. Aus den zwei oder drei Minu­ten wer­den da schon manch­mal 10 Minu­ten oder mehr, weil es immer wie­der so viel zu erfah­ren oder erle­ben oder schau­en gibt. Natür­lich gibt es die­ses Früh­stück auch hier auf der Ter­as­se – wet­ter­be­dingt.
Ansons­ten war­tet der täg­li­che fami­liä­re Mor­gen­gruß im Gip­fel­haus hoch über Kärn­ten. Ein freund­li­ches, lächeln­des, strah­lend-jugend­li­ches cir­ca zwölf­jäh­ri­ges Gesicht bie­tet uns in rei­nem Bai­risch-Öster­rei­chisch an: “Kann ich Ihnen noch ein Eier­ge­richt brin­gen?” – Spä­tes­tens dann wis­sen wir, dass wir in Kärn­ten sind.

Das Meeting im Gipfelhaus

Ich hat­te noch nie die Gele­gen­eit fest­zu­stel­len, wie­vie­le papier­ähn­li­che Sei­ten oder Doku­men­te, wie­vie­le Schrift­sät­ze, wie­vie­le Bücher, Enzy­klo­pä­di­en und ähn­li­ches zum The­ma “Zufall” oder “Schick­sal” oder “Bestim­mung” nie­der­ge­schrie­ben wur­den und sicher auch noch wer­den. Was auch immer sich hin­ter der Dicht­heit der Ereig­nis­se ver­ber­gen soll­te, die Tat­sa­chen sind fol­gen­de: In der ers­ten Mai­wo­che 2019 habe ich den “Troad­kas­ten” recht­lich ver­bind­lich gebucht. Am Tag dar­auf wur­de ich von Fami­lie Sko­ri­anz ver­stän­digt, dass ich ab Sonn­tag, 7.7.2019 buchen kön­ne, bis Sonn­tag sei er schon ver­ge­ben. Sofort sag­te ich zu. Wochen spä­ter erreich­te mich von Rudi Gös­se­rin­ger, Obmann des Kärnt­ner ORF-Pen­sio­nis­ten­ver­ban­des, die Nach­richt, dass die jähr­li­che Wör­ther­see-Kreuz­fahrt – das Tref­fen aller öster­rei­chi­schen ORF-Pen­sio­nis­ten vom 10.–12.7.2019 mit Rah­men­pro­gramm und einem Abend­essen am Mag­da­lens­berg statt­fin­den sol­le. Zu die­sem Zeit­punkt – Juni 2019 – wuß­te nur die Fami­lie Sko­ri­anz als Eigen­tü­mer des Gip­fel­hau­ses, wir – Fami­lie Nell – und Ingrid Wolf von unse­rem gebuch­ten “Troadkasten”-Termin.
Seit über 50 Jah­ren ver­bin­det mich Freund­schaft mit Ingrid, unter­bro­chen ihrer­seits von der Tätig­keit für Robert Lemb­ke, der 1972 für die Rund­funk- und Fern­seh­über­tra­gun­gen von den Olym­pi­schen Som­mer­spie­len in Mün­chen ver­ant­wort­lich war. Ihre Ver­ehe­li­chung mit Dipl.-Ing. Klaus Wolf führ­te sie in wei­te­rer Fol­ge nach Nürn­berg, spä­ter mit Ehe­mann wie­der zurück in ihre Hei­mat nach Kärn­ten. Ingrid kann­te unse­re Geschich­te vom “Troad­kas­ten”.

Ingrid mit UrOma Sko­ri­anz. Die alte Fröh­lich­keit war wie­der da. So ist das immer wenn die Erin­ne­run­gen wie­der Rea­li­tät wer­den. Wir füh­len uns wohl in den Bezie­hun­gen von ges­tern. Wir benen­nen sie nur so, sie blei­ben uns ja erhal­ten, in wel­cher Rich­tung auch immer. Wenn man nur will. Ich ken­ne nur Men­schen, die das wol­len. Und so erfüll­te die­se Fröh­lich­keit das Gip­fel­haus am Mag­da­lens­berg.

Kurz nach unse­rem Ein­che­cken erfuh­ren wir von Ingrid, dass Ernst Gris­se­mann, jener Mann der vor unge­fähr fünf­zig Jah­ren Ö3-Chef war und mich gemein­sam mit Gerd Bacher als GI, als Gene­ral-Inten­dant, nach Wien zu Ö3 geholt hat­te, zufäl­li­ger­wei­se in Kärn­ten sei und sie bei­de, Ingrid und Ernstl, uns im “Troad­kas­ten” besu­chen kom­men wür­den. Einen Tag spä­ter rief Frit­zi Hof­meis­ter an und avi­sier­te sei­nen Besuch gemein­sam mit sei­ner Gat­tin Chris­ta. Ingrid und Klaus, Fritz und Chris­ta, Ernst Gris­se­mann und noch vie­le, vie­le ande­re, wie Ing. Georg Regatsch­nig zum Bei­spiel, sie alle wer­den in wei­te­rer Fol­ge ein selb­stän­di­ges Kapi­tel benö­ti­gen. So gese­hen hat der “Troad­kas­ten” ein Vor­wort aus­ge­löst. Ein Vor­wort zu Kärn­ten. Kärn­ten bedeu­tet für mich sehr viel. Wer die­ses Länd­chen im Süden Öster­reichs eini­ger­ma­ßen kennt, ver­steht mich. Ich habe in die­sem selbst­be­wuß­ten Land­strich viel, sehr viel gelernt, erfah­ren und erlebt. Ich habe sehr viel Lie­be erhal­ten und erfah­ren, ich habe Begeh­ren und Begehr­lich­kei­ten erkannt und erfah­ren und muß­te erler­nen, dass Freund­schaft erwor­ben sein muss.

Ernst Gris­se­mann vor dem Rot­wild-Gehe­ge. Hin­ter Ernst ist ein Teil der weis­sen Ein­zäu­nung zu sehen, wel­che die Not­gra­bun­gen der Archäo­lo­gen kenn­zeich­net. Der gan­ze Mag­da­lens­berg war eine ein­zi­ge Sied­lung der Kel­ten. Die bestehen­den Aus­gra­bun­gen etwas unter­halb des Gip­fel­hau­ses sind mus­ter­gül­tig. – Bild: Ingrid Wolf

Die Fröh­lich­keit erfüll­te die Gast­stu­be des Gip­fel­hau­ses und erfass­te auch das Arbeits-Team der Archäo­lo­gen, wel­che tags­über schuf­te­ten und aus­gru­ben und schuf­te­ten und geo­dä­tisch ver­ma­ßen, pro­fi­lier­ten und wie­der aus­gru­ben – noch dazu unter Zeit­druck. Das Gip­fel­haus wird 2019 aus­ge­baut. Der Neu­bau wird der Umge­bung ange­passt. 2020 wird es ganz neu zu erle­ben sein. Der Ur-Betrieb des Gip­fel­hau­ses wird von dem Neu­en nicht gestört. Da läßt sich Fami­lie Sko­ri­anz “nix aene­redn” (nichts hin­ein­re­den), Neu­es passt sich an Altes an: Da steht ein spät­go­ti­sches Kirch­lein auf kel­ti­schem Fun­da­ment und unmit­tel­bar dane­ben das Gip­fel­haus und noch unmit­tel­ba­rer dane­ben zu ebe­ner Erde die neu­en Gäs­te-Sui­ten. Und davor noch der “Troad­kas­ten”! Dass der gan­ze Berg von vie­len, vie­len Men­schen belebt war – bis zu 5.000 – die von hier aus euro­pa­weit Han­del trie­ben und Waren pro­du­zier­ten, Gold und Metall schmol­zen, das alles wun­dert heu­te nicht mehr, im Zeit­al­ter “in sta­tu nas­cen­di”. Eine “Glo­ba­li­sie­rung” hat es immer schon gege­ben. Men­schen­lee­re Land­stri­che und Kolo­ni­sa­to­ren gehö­ren ins Reich der ana­lo­gen Gerüch­te, der sys­tem­be­ding­ten mär­chen­haf­ten Erzäh­lun­gen und Lügen. Die Mensch­heit aller­dings ist gera­de dabei ihre Ver­gan­gen­heit auf zu arbei­ten. Auch am Mag­da­lens­berg in Kärn­ten.

Wir hat­ten ein­an­der viel zu erzäh­len. Die Gäs­te des Gip­fel­hau­ses kamen natür­lich auch auf ihre Kos­ten. Urplötz­lich waren sie unser Publi­kum. Es war ein köst­li­cher Abend mit köst­li­cher Gas­tro­no­mie. Dan­ke. – Bild: Ingrid Wolf

Man ver­spürt, dass man will­kom­men ist, dass das Sich-Wohl­füh­len im Mit­tel­punkt steht, dass die gesam­te Fami­lie Sko­ri­anz, die Che­fin­nen und Chefs und das Per­so­nal, auch jene Mit­ar­bei­ter mit denen man sich nur eng­lisch unter­hal­ten kann, als Ver­mitt­ler zwi­schen Gast und Umge­bung fun­gie­ren. Und bei die­sem Pan­ora­ma bedeu­tet “Umge­bung” recht viel! Rein geo­gra­fisch. Was das “Karnt is lei oans” (Kärn­ten ist unver­wech­sel­bar Eines), was die­ser Satz tat­säch­lich bedeu­tet, begreift man erst von hier her­oben, vom Mag­da­lens­berg aus. Wobei das Wet­ter abso­lut kei­ne Rol­le spielt. Im Gegen­teil. Das gehört dazu, ist Bestand­teil die­ses “lei oans”! Das drückt sich schon allei­ne im Bau­ma­te­ri­al aus: Größ­ten­teils selbst-iso­lie­ren­des, hei­me­li­ges, kusche­li­gesHolz. Es beginnt schon unten im Aus­gra­bungs­ge­län­de: Der Imbiss-Pavil­lon dort ist etwa 40 oder 50 Jah­re alt – und aus unver­wüst­li­chem Holz!
Wir haben uns hier her­oben, dem Him­mel ganz nah, schick­sals­haft getrof­fen: Zunächst mit Ingrid, dann wie aus dem Zylin­der her­vor­ge­zau­bert, Ernst Gris­se­mann, am nächs­ten Tag der gan­ze Pen­sio­nis­ten-Ver­ein des ORF-Wien und schließ­lich Freund Fritz Hof­meis­ter mit dem mein gan­zes Wer­den und Sein auf ewig ver­bun­den blei­ben wird. Jene Men­schen, wel­che allei­ne für mein Wer­den schon die größ­te Rol­le erfüll­ten, haben ein­an­der durch schick­sals­haf­te Fügung hier her­oben getrof­fen. Der Mag­da­lens­berg inklu­si­ve “Troad­kas­ten” hat geru­fen…

“Fri­ends, Romans, Coun­try­men, lend me your ears…” Marc Anton, Wil­liam Shake­speare. Unge­wohn­te Klän­ge hal­len durch die berühm­ten Aus­gra­bun­gen des Mag­da­lens­ber­ges in Kärn­ten. Mein­rad Nell, links, und Fried­rich Hof­meis­ter, rechts.

Und wie die bei­den geru­fen haben. Seit vie­len vie­len Jah­ren schon. Seit der Ent­de­ckung sei­nes Bil­des als Screen­Saver hat der Troad­kas­ten ste­tig dar­an gear­bei­tet, erst nur ganz unschein­bar, ganz ganz lei­se und nicht zu erfas­sen, aber doch. Und sein Bild blieb, tauch­te hin und wie­der auf, ver­schwand wie­der, kam Mona­te spä­ter, manch­mal ganz stark ins Bewußt­sein, manch­mal nur ganz flüch­tig, ver­schwand wie­der ohne viel Auf­he­bens. Bis zu jenem Win­ter­tag, an dem es vor uns auf­er­stand in vol­ler Lebens­grö­ße. Da war sein Dasein. Unlösch­bar. Und wir müs­sen des Öfte­ren dort­hin. Wir möch­ten mehr wis­sen von jenen, die da Gold und Metall aus dem Gört­schitz­tal geschmol­zen haben, Schmuck kre­iert und gehan­delt haben, die Arme­en Cäsars aus­ge­rüs­tet haben. Ich war kein beson­de­rer Latein-Schü­ler, ganz im Gegen­teil, aber an den ers­ten Satz von Juli­us Cäsar “De Bel­lo Gal­li­co” kann ich mich noch erin­nern. Oder bes­ser geschrie­ben: muß ich mich noch erin­nern kön­nen, den hat mir Prof. Span­bau­er ein­ge­bläut: “Gal­lia est omnis divi­sa in par­tes tres, quar­um unam incol­unt Bel­gae, aliam Aqui­ta­ni, ter­ti­am, qui ipsorum lin­gua Cel­tae, nos­tra Gal­li appel­lan­tur”. Heu­te erspa­ren sich die Span­bau­ers von damals das alles, heu­te gibt es ja “Wiki­pe­dia”! Die Bewoh­ner der Stadt am Mag­da­lens­berg haben es sich damals schon gut gehen las­sen, wie die Aus­gra­bun­gen uns heu­te zei­gen. Eine Tat­sa­che kommt noch hin­zu, wur­de bis­her mei­ner­seits immer ver­schwie­gen: Mei­ne Vor­fah­ren müt­ter­li­cher­seits waren hier beschäf­tigt. Im Kärnt­ner Gört­schitz­tal. Sie kamen aus dem hohen Nor­den, waren spe­zia­li­siert auf die Pro­duk­ti­on von Holz­koh­le für den Berg­bau. Als die Pro­duk­ti­on ein­ge­stellt wur­de, sie­del­ten sie um: nach Leo­ben in die Stei­er­mark. Dort brauch­te man sie noch.

Die Hirsch­lein am Mor­gen. Foto­gra­fiert durch ein Fens­ter des “Troad­kas­tens”. Das Rot­wild genießt die wär­men­den Son­nen­strah­len. Wir machen´s den Tier­lein nach, beim wär­men­den Kräu­ter­tee auf der Ter­ras­se.
Uns zieht es aller­dings nach Hoch­os­ter­witz. Die­se mär­chen­haf­te Burg ken­nen wir schon ganz gut. Sie ist ja heut­zu­ta­ge auch behin­der­ten­ge­recht aus­ge­baut und mit dem Lift leicht zu errei­chen. Vor Jah­ren noch kam ich nur mit einem Quad der Burg­gar­de durch die 14 Tore berg­auf. Und zuvor nur schwit­zend und stöh­nend – per pedes.
Von die­sem Bal­kon aus sieht man auch den Mag­da­lens­berg. Des­we­gen sind wir auch da ´rauf gefah­ren. Wir woll­ten ein­mal ganz bewußt die Gip­fel­kir­che bese­hen, die ja auf kel­ti­schen Fun­da­men­ten steht. In der “Schmie­de” gleich unter­halb des Bal­kons wird noch flei­ßig gear­bei­tet, wie damals vor ein paar hun­dert Jah­ren…
Das Pan­ora­ma der Burg. Zu Fuß kann man vom Mag­da­lens­berg in ein­ein­halb Stun­den auf der Burg Hoch­os­ter­witz sein.
Das ist der Anlaß wes­we­gen wir dies­mal unbe­dingt auf die Burg muß­ten: Die Gip­fel­kir­che des Mag­da­lens­ber­ges.
Der Kirch­turm aus der Nähe. Der Blick aus der Glo­cken­stu­be muss umwer­fend sein. Freie Sicht nach allen Sei­ten. Lei­der muß­te der Zugang für die Öffent­lich­keit gesperrt wer­den. Aus Grün­den des Denk­mal­schut­zes. Es gibt noch immer viel zu vie­le ein­fa­che Geis­tes­grö­ßen die glau­ben der gan­zen Welt mit­tei­len zu müs­sen, dass sie hier her­oben waren und dem­zu­fol­ge auch aner­kannt wer­den müß­ten.
Ehen kön­nen hier schon geschlos­sen wer­den. Sowohl stan­des­amt­lich als auch kirch­lich. Dafür darf man schon her­ein. Es ist schon ein Erleb­nis, wel­ches man nie wird ver­ges­sen kön­nen. Dafür wird schon sko­ri­an­zisch gesorgt…
Die Kapel­le neben der Kir­che. Die soge­nann­te “Ur-Kir­che” damals hat sich ja über­all hin­ge­setzt, wo es der Mei­nung des Vol­kes nach “hei­lig” war. Man­ches­mal muß man den Alt-Vor­de­ren dank­bar dafür sein, hat sich doch auf die­se Art eini­ges erhal­ten, was heu­te leich­ter zu erfor­schen ist.
Rechts die Kir­che, links die Kapel­le, im Hin­ter­grund ein Teil des Gip­fel­hau­ses. Dazwi­schen die Gip­fel­stra­ße, die eins­tens, vor tau­sen­den von Jah­ren als Fuß­weg, als Kar­ren­pfad, begann. Von hier aus wur­de man in den Adri­a­raum geführt, in den Raum der Stei­er­mark, ins Salz­bur­gi­sche, in alle Welt von damals.
Am Mor­gen ver­sam­melt sich die Her­de der “Kuh­lis” direkt unterm “Troad­kas­ten”, begrüßt uns, ruhig und wie­der­käu­end. Die Grup­pe scheut den stei­len Auf­stieg her­auf zu uns über­haupt nicht. Der Gang scheint zu ihrem All­tag zu gehö­ren. Erst wenn wir uns leben­dig zei­gen, gehen sie, lang­sam und bedäch­tig. Fast der gan­ze Berg gehört ja ihnen, den “Kuh­lis”.
Die Wei­de der lie­ben “Kuh­lis”. Die Berg­stra­ße zum Gip­fel­haus führt an den unte­ren Aus­gra­bun­gen vor­bei und mit­ten durch die Alm­wei­de. Das klei­ne Dach im Schat­ten der Bäu­me ist die Not­fut­ter­sta­ti­on. Links davon in der Links­kur­ve der Stra­ße ist quer ein grau­er Strei­fen zu sehen: Das ist das Wild­gat­ter, das mögen die Tie­re nicht, des­we­gen blei­ben sie auch in ihrem Are­al, ein­ge­grenzt vom elek­tri­schen Wei­de­zaun. Aber es kann schon gesche­hen, daß man sich plötz­lich einem “Kuhli” auf der Stra­ße gegen­über sieht. Vor allem im Früh­jahr soll­te man lang­sa­mer und vor­sich­ti­ger fah­ren. Das sind wirk­lich “glück­li­che Kühe”, die vom Mag­da­lens­berg!

Mittagspause der Kreuzfahrt

Rudi Gösseringer mit Peter Altersberger.
Rudi Gös­se­rin­ger, Obmann der Kärnt­ner Pen­sio­nis­ten, vor­ma­li­ger Tech­nik-Chef und noch immer ein Ten­nis-Crack unter den ORF-lern, ver­sucht Peter Alters­ber­ger, Ken­ner aller süd-älp­ler Chö­re, beim Vel­de­ner Gas­tro­no­mie-Floß “Leo­pold” den Unter­schied zwi­schen For- und Back­hand zu erklä­ren.
Die Mit­tags­pau­se unse­rer all­jähr­li­chen Wör­ther­see-Kreuz­fahrt ver­brin­gen wir stil­ge­recht natür­lich mit plät­schern­dem ori­gi­na­lem Wör­ther-See­was­ser unter unse­ren Füßen. Chris­ta und Frit­zi Hof­meis­ter ver­brin­gen die War­te­zeit bis zum Essen mit dem Han­dy – ver­ständ­li­cher­wei­se chat­ten sie mit­ein­an­der. Ein Leben lang ver­brin­gen die Bei­den nun mit­ein­an­der: Ich kann mich ganz genau an jene Zeit erin­nern, als sie sich ken­nen­lern­ten. Ohne Han­dy – damals war man noch pri­vi­le­giert, hat­te man ein Draht-Tele­fon!
Nico­le und Chris­ta beim Stu­di­um der Spei­se­kar­te: Ist beim Fil­let Schdro­gan­off Papri­ka dabei oder nicht? Ist doch bes­ser sich für Fisch aus dem See zu ent­schei­den, die schwim­men tat­säch­lich zu unse­ren Füßen!
Gudrun Gösseringer mit Meinrad Nell in Velden.
Das ist Gud­run. Längst­jäh­ri­ge Gat­tin Rudi Gös­se­rin­gers. Die Bei­den haben mei­ne Sturm- und Drang­jah­re in die­sem wun­der­schö­nen Land beglei­tet. Und sie beglei­ten auch die­ses Kärnt­ner Vor­wort.
Ingrid Wolf (lediger Name: Kaplaner) ind Nicole Nell, Ehefrau von Meinrad Nell.
Ingrid Wolf/Kaplaner hat sich in den Jah­ren der Kreuz­fahr­ten zu einer per­fek­ten Wör­ther­see-Frem­den­füh­re­rin ent­wi­ckelt. Sie kennt jeden Bade­steg und ‑strand, bei­na­he jedes Boot, jede Vil­la sowie­so, dar­un­ter sind auch vie­le Schlös­ser (jenes von Vel­den kennt man eh). Die Wie­ner Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen wis­sen, was sie an Ingrid haben!
Fritzi Hofmeister mit Gattin Christa.
Das gelieb­te Back­hen­derl für Chris­ta und ein Kalbs­bra­ten mit Erd­äp­fel­pür­ree und Wur­zel­ge­mü­se für Frit­zi! Was schaust Du denn so skep­tisch? Ist mit dem Backfi…ich mei­ne mit dem Hen­derl irgend­was? Naja, was Du da vor Dir hast, ist natür­lich um Eini­ges köst­li­cher, oder?
Der Troadksten am Magdalensberg in Kärnten am Abend.
Griaß enk! Grüß Euch. Fami­lie Sko­ri­anz. Griaß enk, ihr Hiaschn und sons­ti­ges Rot­wild, griaß enk, ihr Kuh­lis, griaß enk ihr Fin­ken und Mei­sen und Doh­len, griaß di, du Troad­kastn und griaß di, du Gip­fel­haus. Auf ein Wie­der­se­hen!

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