Was denn? Viel Geld …und Fleisch!!

Auf dem Weg von der Steyrergasse zur Rohrbachhöhe, zu meinen Großeltern, mussten wir am damaligen Landeskrankenhaus vorbeifahren. Entweder mit dem Rad oder mit dem Autobus. Jedenfalls kamen wir immer an der ehemaligen „hinteren“ Einfahrt vorbei. Diese Einfahrt war durch ein altes, verrottetes Tor geschlossen und ziemlich verwachsen, „zugewachsen“, also nicht mehr befahrbar. Die hölzernen Torflügel hingen schief und grau-verwittert auf den Boden, rundherum standen meterhohe Brennessel, Jahr für Jahr. Undurchdringliches Gestrüpp. Von der Strasse aus. Vom Krankenhaus-Areal her allerdings nicht. Ganz offensichtlich war ein kleiner Teil dieser Strasse des öfteren genutzt. Von dort führte auch ein kleiner, des öfteren begangener Weg ins Krankenhaus hinein oder heraus. Und zur Stiftingtalstraße hin war auf der ganzen Länge bis zur Endstation der Straßenbahnlinie 7 nach St. Leonhard Stacheldraht angebracht. Nur die circa 1,5 Meter knapp vor dem Tor war der Draht locker und provisorisch angebracht. Ungefähr dort, wo heute der Zebrastreifen sicher über die Straße führt. Dort stand auch manchesmal ein LKW, wenn es schon fast oder ganz finster war. Dann traten wir fest in die Pedale, schauten, dass wir schnell vorüber kamen und nichts sehen konnten, auch nicht den LKW der dort stand. Besser war es jedenfalls, den LKW gar nicht zu sehen und die Leute, die da was vom Krankenhaus herunter trugen. Dass das Fleisch war, ganze große Stücke von Fleisch, war natürlich auch nicht zu sehen, nicht einmal zu ahnen oder zu träumen. Letzteres sowieso nicht. Man fuhr ja mit dem Fahrrad, oder nahm am öffentlichen Verkehr teil. Der Autobus blieb ja sowieso nicht stehen, fuhr ohne weiter nachzudenken vorbei, hatte auch keine Zeit, musste ja den Fahrplan einhalten. Alle anderen hatten ebenso Wichtigeres zu tun. „Nua net stehenbleiben, nua nix segn un hinschaun“, das war die Devise. Für Alle. Bis auf die Besatzungsmacht und in weiterer Folge auch die Kriminalpolizei, die das Ganze, was da auch immer ablief, untersuchen musste. Was dabei herauskam füllte natürlich alle Zeitungen, tagelang und seitenweise. Es war ein richtiger Skandal. Fleisch fürs Landeskrankenhaus auf dem Schwarzmarkt und sogar auf dem grauen Markt, noch dazu in rauen Mengen! Und niemand wusste davon, hatte auch nur die geringste Ahnung. Darin hatte man ja jahrzehntelanges Training. Und die drei kleinen Äffchen, wer hatte die nicht ständig bei sich. Dafür ließ man sich das kleine Gulasch mit Semmel im nahe gelegenen Gasthaus mit einem kleinen schadenfrohen Lächeln – und einem Krügerl (Bier) – lecker munden. Es hat ja eh nur ein paar „Bazientn“ oder so betroffen, ein paar Wenige, die da drinnen „rekonwaleszent“ oder so lagen. Und wer weiß wie lange noch?