Die Story von „meine“ (at magnet.at)

Nach langem Hin und Her-Gerede, Gezerre und Zeter und Mordio-Geschrei, durfte es auch im hehren Land der Österreicher die verabscheute Konkurrenz geben, die Konkurrenz zur Post. Unter der amtlichen Bezeichnung „Post“ war alles zusammengefasst, was bis dahin unter „Kommunikation“ zu verstehen war. Die Post-Direktoren waren Gouverneure, waren heimliche Herrscher über Post-, Telefon- und Briefgeheimnisse, die am laufenden Band verletzt wurden. Da gab es sogar „Seminare“ mit dem Thema: „Wie öffne ich Briefe“, „Wie höre ich Telefone ab“. Letzteres war einfach zu haben. Über die Diensthabenden in den diversen Wähl-Ämtern, des nächtens vorzugsweise Lehrlinge oder Praktikanten, die sich gerne etwas dazu verdient haben, „schwarz“ selbstverständlich. Da hat sich allerdings Einiges verändert. Durch die Digitalisierung der Welt.
Soweit allerdings war es noch nicht. Da musste man sich erst einmal Modulatoren-Demodulatoren beschaffen, im Wert eines Kleinwagens. Man musste auch die Adressen der wenigen Teilnehmer an diesem lockeren Netzwerk von Rechnern kennen und abrufbar in seinem Kopf bereitgestellt haben. Später gab es eine Telefon-Nummer in der Bundesrepublik Deutschland. Über diese in Frankfurt/Main gelangte ich in den Service von CompuServe und in weiterer Folge auch in den von America-OnLine. Von dort kam ich dann in den später als „World Wide Web“ benannten internationalen Rechner-Verbund. Kurz zuvor gab es meinerseits noch einen ganz offiziellen Versuch über einen ebenso offiziellen Post-Teilnehmer Kontakt in diese Richtung zu erhalten. Das wurde allerdings sofort sehr, sehr hochnäsig auf typisch landesspezifische Art abgetan, mit dem Hinweis, wer ich doch eigentlich glaubte zu sein. Wenige Jahre später kamen dann die paar österreichischen Web-Teilnehmer in den Genuss eines österreichischen „Knotens“, dem Vienna Internet eXchange, und fast gleichzeitig tauchten dann schon die ersten sogenannten“Provider“ auf. Ich hörte von einem „magnet.at“ und meldete mich gleich an. Der quer-eingestiegene Techniker dort machte aus „Mei-nrad Ne-ll“ die mail-Adresse „meine-at-magnet-at“. Und jene, welche bereits Web-Kontakt mit mir hatten, dachten – und damals glaubt man, Denken und Wissen hingen unmittelbar zusammen – dass diese Idee von mir kommen müsste und ich halt viel zu langsam sei oder gar nicht das Gespür für gute Ideen hätte. So reagierte man einfach aus dem Bauch heraus und plötzlich gab es jede Menge „meine-at…“-mail-Adressen. Bis zu dem Augenblick, wo es dann Vielen aufstieß, dass es doch andere Gründe für diese eine Adresse geben müsste und alles andere – gerade im Web – absolut nichts brächte, dass eine Mail-Adresse nicht mit einem Eintrag ins offizielle Telefonbuch gleichzusetzen wäre. Erkenntnisse benötigen einfach Zeit. Und diese muss man konkurrierenden Mitmenschen schon geben. Ansonsten wirds ja langweilig.
Es war auch gleichzeitig das erste Auftauchen eines Symptoms, es waren die ersten Warnzeichen vor der Gier nach dem „Haben-haben“. Erste Bücher und erste Artikel wurden darüber geschrieben. Man begann sich allen Ernstes auseinander zu setzen mit diesem Begriff. Genauso wie man langsam erst zu begreifen begann, dass auch Religions- und Kirchengeschichte, völlig unabhängig und ohne Einschränkungen, von der üblichen Geschichtsauffassung und -schreibung nicht zu trennen sei. Es war so wie mit „meine“. Die Einen begannen zu ahnen, die Anderen zu begreifen, dass in Wirklichkeit etwas viel Größeres dahintersteckt. Die Wenigsten wussten, dass sich da ein ganzes Universum an Neuem auftat. An neuen Chancen. Auch und vor Allem an neuen Arbeitsplätzen und Arbeits-Gebieten. An neuen Aufgaben. Wobei Arbeit selbst nicht mehr als Arbeit im traditionellen Sinn verstanden werden muss und kann. Dass damit der Begriff des bGe, des Bedingungslosen Grundeinkommens, oder der Begriff der Erneuerbaren-Energien, der Neuen Logistik inklusive der Mobilität und des Transports, der Begriff der „kooperativen intelligenten Verkehrssysteme“ verknüpft ist, ahnen nur Wenige. Auf wundersame Weise ahnen das sogar in der Berufspolitik aktive Mitmenschen. Es ist also etwas „Ganz Neues“.
Neu, neu, neu. Alles wird Neu und ganz, ganz Anders. Wir haben begriffen, dass auch andere Lebewesen „intelligent“ sein können. Wir beginnen endlich den Begriff „intelligent“ in Frage zu stellen. Wir armen, unbedeutenden Menschlein scheinen aus dem Status eines Fötus in den status nascendi getreten zu sein. Wem wird wohl unser erster Schrei gelten?